top of page

Innere Reibung kostet Energie: Wie ungelöste Konflikte uns krank machen

8. Okt.
5 Min. Lesezeit

Aktualisiert: vor 6 Tagen


Innere Zerrissenheit kostet mentale Energie und kann krank machen.
Innere Zerrissenheit kostet mentale Energie und kann krank machen.

Im modernen Arbeitsalltag sprechen wir viel über äußere Belastungsfaktoren: Deadlines, anspruchsvolle Projekte, schwierige Kunden oder unklare Zielvorgaben. Doch eine wesentliche Belastungsquelle bleibt häufig unbemerkt: die innere Reibung.


Wenn Sie trotz ausreichenden Schlafs das Gefühl haben, ständig erschöpft zu sein, kann das nicht nur an äußeren Anforderungen liegen. Möglicherweise kostet Sie auch ein innerer Konflikt viel Kraft. Denn hinter der sichtbaren Fassade des Alltags können unterschiedliche Bedürfnisse, Überzeugungen und Erwartungen miteinander ringen.

Der Hamburger Kommunikationspsychologe Friedemann Schulz von Thun beschreibt die menschliche Psyche nicht als einheitlichen Block, sondern als von innerer Pluralität geprägt. Wir alle tragen ein vielstimmiges „Inneres Team“ in uns. Unterschiedliche innere Stimmen vertreten dabei jeweils eigene Anliegen und Perspektiven. Wenn diese Stimmen gegeneinander arbeiten, kann das erhebliche mentale Ressourcen binden und unser Wohlbefinden beeinträchtigen.


Das Phänomen der inneren Pluralität: Zwei Seelen in einer Brust

Goethes Bild von den „zwei Seelen“ in der Brust beschreibt eine Erfahrung, die viele Menschen kennen: Ein Teil von uns möchte vorangehen, während ein anderer zögert. Wir sehnen uns nach Veränderung und halten gleichzeitig am Vertrauten fest.

Schulz von Thun greift diese Vielstimmigkeit mit seinem Modell des Inneren Teams auf. Je nach Situation melden sich unterschiedliche innere Persönlichkeitsanteile zu Wort. Jeder von ihnen bringt eigene Bedürfnisse, Befürchtungen und Absichten mit:

  • Der Antreiber: Er fordert Höchstleistungen und betrachtet Pausen schnell als Zeitverschwendung.

  • Der Harmoniestifter: Er möchte Konflikte vermeiden und sucht nach Zustimmung – manchmal auf Kosten der eigenen Bedürfnisse.

  • Der Kritiker: Er hinterfragt die eigenen Fähigkeiten, warnt vor Fehlern und versucht, Risiken zu vermeiden.

  • Der Genießer oder Freigeist: Er sehnt sich nach Ruhe, Selbstbestimmung und Erholung.

Diese Vielfalt ist grundsätzlich wertvoll. Sie ermöglicht es uns, unterschiedliche Perspektiven einzunehmen und flexibel auf komplexe Anforderungen zu reagieren.

Problematisch wird es, wenn die inneren Stimmen miteinander in Konflikt geraten und keine tragfähige Entscheidung zustande kommt. Dann wird aus innerer Vielfalt eine Belastung.


Warum innere Reibung zu Erschöpfung führen kann

In der Physik erzeugt Reibung Widerstand und bremst Bewegung. Ähnlich kann es sich mit inneren Konflikten verhalten: Wenn starke Bedürfnisse miteinander konkurrieren, wird ein erheblicher Teil unserer Aufmerksamkeit und mentalen Energie gebunden.

Stellen Sie sich beispielsweise vor, Sie möchten beruflich vorankommen und mehr Verantwortung übernehmen. Gleichzeitig wünschen Sie sich mehr Zeit für Ihre Familie, Ihre Gesundheit und Ihre persönlichen Interessen.

Beide Anliegen sind nachvollziehbar. Doch solange Sie keine Lösung finden, die Ihren unterschiedlichen Bedürfnissen ausreichend Rechnung trägt, geraten Sie möglicherweise in eine innere Pattsituation: Sie möchten handeln und bremsen sich zugleich aus.

Das kostet Kraft. Denn ungelöste Konflikte beschäftigen uns häufig auch dann, wenn wir uns eigentlich anderen Aufgaben widmen möchten. Entscheidungen werden aufgeschoben, Gedanken kreisen und die innere Anspannung bleibt bestehen.

Manchmal vermeiden Menschen eine notwendige Entscheidung, weil sie befürchten, etwas Wichtiges aufgeben zu müssen. Kurzfristig verschafft das Aufschieben Erleichterung. Langfristig kann es jedoch dazu führen, dass der Konflikt bestehen bleibt und immer wieder mentale Ressourcen beansprucht.

Die Folgen können sich im Alltag auf unterschiedliche Weise zeigen:

  • Entscheidungsschwierigkeiten: Selbst kleinere Entscheidungen fallen schwer, weil unterschiedliche innere Bedürfnisse gegeneinander abzuwägen sind.

  • Anhaltende Erschöpfung: Sie fühlen sich mental ausgelaugt, obwohl Sie körperlich nicht besonders beansprucht waren.

  • Schlafprobleme: Gedanken und innere Diskussionen lassen Sie abends nicht zur Ruhe kommen oder beschäftigen Sie während der Nacht.

Innere Konflikte sind nicht zwangsläufig die Ursache dieser Beschwerden. Sie können jedoch ein zusätzlicher Belastungsfaktor sein, der die Erholung erschwert und das Stresserleben verstärkt.


Wenn innere Konflikte zur gesundheitlichen Belastung werden

Bleiben innere Konflikte über längere Zeit ungelöst, können sie zu einer dauerhaften psychischen Belastung beitragen. Vor allem dann, wenn gleichzeitig hohe berufliche Anforderungen, wenig Erholungszeit oder weitere persönliche Belastungen hinzukommen.

Chronischer Stress kann sich sowohl psychisch als auch körperlich bemerkbar machen. Mögliche Beschwerden sind beispielsweise:

  • Spannungskopfschmerzen und Nackenverspannungen,

  • Magen-Darm-Beschwerden,

  • Schlafprobleme und anhaltende Müdigkeit,

  • erhöhte Reizbarkeit und depressive Verstimmungen,

  • ein Gefühl von Überforderung, innerer Leere oder emotionaler Erschöpfung.

Auch Bluthochdruck und andere gesundheitliche Beeinträchtigungen können mit chronischem Stress zusammenhängen. Sie lassen sich jedoch nicht pauschal auf innere Konflikte zurückführen. Ebenso ist Burnout ein komplexes Phänomen, bei dem verschiedene berufliche und persönliche Faktoren eine Rolle spielen können.

Entscheidend ist deshalb, anhaltende Erschöpfung ernst zu nehmen und nicht ausschließlich als Zeichen mangelnder Belastbarkeit zu interpretieren.

Der Körper kann ein wichtiges Warnsignal senden, wenn Belastung und Erholung über längere Zeit aus dem Gleichgewicht geraten. Die Ursache zu verstehen, ist ein wesentlicher Schritt, um die eigene Situation nachhaltig zu verbessern.


Das Oberhaupt: Die Kunst der inneren Selbstführung

Wie lässt sich innere Reibung reduzieren?

Ein wichtiger Ansatz findet sich in Schulz von Thuns Konzept der inneren Führung. Die Grundidee: Ein Inneres Team braucht eine Instanz, die unterschiedliche Stimmen wahrnimmt, ihre Anliegen versteht und eine stimmige Entscheidung ermöglicht.

Diese Funktion übernimmt das sogenannte „Oberhaupt“ – das reflektierende Ich, das die Verantwortung für die innere Abstimmung übernimmt.

Es geht dabei nicht darum, unangenehme Gedanken zu unterdrücken oder bestimmte Persönlichkeitsanteile zum Schweigen zu bringen. Vielmehr geht es darum, die verschiedenen inneren Anliegen ernst zu nehmen, ohne sich von ihnen beherrschen zu lassen.

Drei Schritte können Ihnen dabei helfen:

1. Wahrnehmen und benennen

Welche inneren Stimmen melden sich in einer bestimmten Situation zu Wort?

Vielleicht hören Sie einen ehrgeizigen Anteil, der Sie zu Höchstleistungen antreibt, während ein anderer nach Ruhe verlangt. Oder Sie spüren den Wunsch, eine klare Grenze zu setzen, und gleichzeitig die Angst, andere zu enttäuschen.

Geben Sie diesen Stimmen Namen, die für Sie passen – beispielsweise „der Ehrgeizige“, „die Vorsichtige“ oder „der Harmoniebedürftige“.

Allein das bewusste Wahrnehmen kann bereits helfen, Abstand zu gewinnen und die eigene Situation differenzierter zu betrachten.

2. Alle Stimmen anhören, ohne sie vorschnell zu bewerten

Jede innere Stimme verfolgt möglicherweise ein nachvollziehbares Anliegen. Der Antreiber möchte Erfolg sichern. Der Kritiker will Fehler vermeiden. Der Harmoniestifter möchte Beziehungen schützen. Der Genießer erinnert daran, dass Erholung ebenfalls wichtig ist.

Fragen Sie sich: Was möchte dieser Anteil für mich erreichen? Wovor will er mich schützen? Welches Bedürfnis steckt dahinter?

Wenn Sie die Anliegen hinter den inneren Stimmen verstehen, müssen Sie sie nicht länger als störende Gegenspieler betrachten. Sie können sie vielmehr als Informationen nutzen, die Ihnen bei einer tragfähigen Entscheidung helfen.

3. Innere Klarheit schaffen und eine Entscheidung treffen

Nachdem Sie die unterschiedlichen Perspektiven wahrgenommen haben, geht es darum, sie gegeneinander abzuwägen und eine bewusste Entscheidung zu treffen.

Vielleicht klingt Ihre innere Antwort dann so:

„Ich nehme meinen Ehrgeiz ernst und möchte das Projekt erfolgreich abschließen. Gleichzeitig erkenne ich, dass ich Erholung brauche. Deshalb setze ich mir klare Prioritäten, plane realistische Arbeitsschritte und halte meine Pausenzeiten ein.“

Eine solche Entscheidung muss nicht alle Bedürfnisse vollständig erfüllen. Sie sollte jedoch die wesentlichen Anliegen berücksichtigen und im Alltag umsetzbar sein.

Innere Selbstführung bedeutet nicht, innere Konflikte vollständig zu vermeiden. Sie bedeutet, mit ihnen bewusst umzugehen, statt dauerhaft von ihnen blockiert zu werden.


Wer sich selbst klärt, gewinnt Handlungsspielraum zurück

Innere Reibung muss kein Dauerzustand sein. Sie kann ein Hinweis darauf sein, dass unterschiedliche Bedürfnisse, Werte oder Erwartungen bislang nicht ausreichend miteinander abgestimmt wurden.

Wenn Sie lernen, Ihr Inneres Team bewusst wahrzunehmen und zu führen, schaffen Sie die Voraussetzung für mehr Klarheit und selbstbestimmtes Handeln. Sie erkennen früher, welche Anforderungen Sie tatsächlich erfüllen möchten, wo Ihre Grenzen liegen und welche Entscheidungen Sie nicht länger aufschieben sollten.

Das kann Ihnen helfen, mentale Belastungen zu reduzieren, Ihre Ressourcen bewusster einzusetzen und Ihre Kommunikation nach außen klarer zu gestalten.

Denn wer die eigenen inneren Widersprüche besser versteht, kann auch anderen gegenüber nachvollziehbarer kommunizieren, Grenzen angemessener setzen und Entscheidungen überzeugender vertreten.

Innere Klarheit ist kein Garant für ein Leben ohne Stress. Sie kann jedoch ein wichtiger Baustein für einen bewussteren Umgang mit Belastungen, mehr Selbstführung und nachhaltige Leistungsfähigkeit sein.


Streitet Ihr Inneres Team noch – oder arbeitet es schon zusammen?

Wenn Sie den Eindruck haben, dass ungelöste innere Konflikte Sie oder Ihr Team unnötig viel Energie kosten, lohnt es sich, genauer hinzuschauen.





Dieser Artikel wurde mit KI-Unterstützung erstellt und von Brigitte Steigerwald inhaltlich geprüft und verantwortet.



Kommentare


Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Bitte den Website-Eigentümer für weitere Infos kontaktieren.
bottom of page